7. Unternehmerforum

Wolfgang Grupp spricht über seinen Erfolg mit "Made in Germany"

Wilhelmshaven, 21. März 2014

Mit einem mitreißenden Vortrag zog Wolfgang Grupp, Inhaber des Textilproduzenten Trigema, die rund 240 Gäste im Pumpwerk Wilhelmshaven in seinen Bann.

Die Eintrittsgelder wurden auf einen Betrag von 2.000,- Euro aufgestockt und an die Wilhelmshavener Telefonseelsorge gespendet.

Günter Dresen, Wolfgang Grupp, Norbert Philipp

Es ist 18:30 Uhr am 20. März. Im Foyer des Pumpwerks plaudert Wolfgang Grupp in lockerer Runde mit einigen Kollegen der Volksbank über seine Geschäftsübernahme der Firma Trigema vor rund 46 Jahren, seine Weltsicht und seine Bankverbindung. Langsam füllt sich der Saal mit rund 240 Gästen, bevor das 7. Unternehmerforum mit einem Film als Dank an den deutschen Mittelstand beginnt.

Vorstandssprecher Norbert Philipp bittet zunächst Pastor Hillmann, den Vorsitzenden der Telefonseelsorge, auf die Bühne. Er soll an diesem Abend die Eintrittsgelder, mit einer Spende der Volksbank auf 2000 € aufgestockt, für die ehrenamtliche Arbeit seiner Einrichtung entgegen nehmen. Berichtet wird über die Arbeit der Telefonseelsorge, die so häufig im verborgenen bleibt, in der heutigen, schnelllebigen Zeit aber immer mehr an Bedeutung gewinnt.

"Produktionsstandort Deutschland heißt für uns Produktionsstandort Wilhelmshaven." betont Norbert Philipp dann zu Beginn seiner Rede. Aufgrund des demographischen Wandels, den man in Wilhelmshaven besonders deutlich spürt, ist es heute wichtiger denn je, dass jede Filiale in maximal zehn Minuten zu erreichen ist. Entgegen dem allgemeinen Trend wurden die Filialen in den vergangenen Jahren für rund 750 T€ modernisiert. Die Volksbank bekennt sich klar zu allen Filialen und betont, dass Filialschließungen kein Thema sind. Denn der Erfolg der letzten Jahre gibt Recht: rund 10% Kreditwachstum allein im letzten Jahr, welches auch deshalb als erfolgreichstes Geschäftsjahr in die Geschichte der Volksbank Wilhelmshaven eingegangen ist. Der Weg zum Qualitätsführer, bei dem Kunden die beste Beratung in der Stadt erhalten, wird konsequent weiter verfolgt.

"Produktion in Deutschland ist möglich, wenn wir Unternehmer die Verantwortung übernehmen." leitet Wolfgang Grupp, Inhaber von deutschlands größtem Textilproduzenten Trigema, ein. Er führt den Familienbetrieb in dritter Generation und weiß aus eigener Erfahrung, dass Gier und Größenwahn am Ende zum Scheitern verurteilt sind.

Deshalb plädiert er für mehr Verantwortung. Gefordert ist die Politik, Unternehmer wieder in die Verantwortung und Haftung zu nehmen. Mit welchem Recht stünden Steuerzahler für die Fehler von Unternehmern ein? Aber auch die Unternehmer sind gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Für sich, ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Grupp fordert, auf Werte zu achten. Sonst müssen wir uns nicht wundern, wenn dieses blühende Wirtschaftsland bald nicht mehr das ist, was uns unsere Väter und Großväter hinterlassen haben. Vertrauen, Glaubwürdigkeit und vertrauensvolles Handeln sind für ihn essentiell. Und dann ist es auch nicht schwer, der größte Textilproduzent zu sein, denn Trigema ist der letzte, der übrig blieb.

Zum Thema Globalisierung hat er, wie zu vielen Themen, eine ganz eigene Meinung. Er hat davon stets profitiert. Wichtig sei nur, dass das Hochlohnland Deutschland das produziert, was die anderen nicht können. Den Schritt voraus müssen wir sein, mit innovativen Produkten, die die Konsumenten wollen. Den Chinesen beispielsweise sieht er nicht als Konkurrent sondern als Kollegen. Dort wird die Massenware produziert, während sich Trigema auf die innovative Ware fokussiert.

Klasse statt Masse könnte man meinem, als Grupp betont, die letzte Kapazitätserweiterung fand im Jahr 1999 statt und bis zu seinem Renteneintritt würde es keine mehr geben. "Wir müssen im Produkt wachsen, nicht in der Masse.", so sein prägnantes Statement.

Eine 4-stufige Produktion zeichnet Trigema aus. Lange Zeit wurden in erster Linie die großen Kaufhauskönige beliefert. Der dort verschlafene Wandel der Zeit und der Weg hin zum SB-Gedanken führte dazu, dass Trigema mit seinen Testgeschäften auch die fünfte Stufe, den Handel, mit übernehmen musste. Heute betreibt Trigema neben dem online-Handel 45 Geschäfte, ein zusätzlicher Flagshipstore in Berlin wird bald eröffnet.

Stolz berichtet Grupp, dass es unter seiner Leitung nie Kurzarbeit gab, kein Mitarbeiter jemals aufgrund von Arbeitsmangel gekündigt wurde, dass kein Jahr mit Verlust abgeschlossen wurde und dass die Kinder eines jeden Mitarbeiters bei ihm eine Anstellung finden. Auch in Zeiten, als mit der Trennung von Aldi rund 33 Mio € Umsatz in einem Jahr verloren gingen. "Dann haben wir halt auf Lager produziert. Ich hatte nie Sorge, keinen anderen Auftrag zu bekommen." so Grupp. Es blieb bei einer Eigenkapitalquote von 100 % und bei einer Wertschöpfung im Unternehmen von 78 %.

Diversifikation war die Strategie seines Vaters, welche Trigema in die Schuldenfalle führte. Rund 10 Mio € Bankschulden verzeichneten die Konten bei Geschäftsübernahme durch Wolfgang Grupp. Unter seiner Leitung arbeiteten die Mitarbeiter dann unter der Devise: Eine Sache machen, den Wandel der Zeit erkennen, sich verändern und dann alles richtig machen. 1975 hatte Grupp es dann geschafft, sich aus der in seiner Branche indiskutablen Abhängigkeit zu lösen und seit dem keinen Bankkredit mehr aufzunehmen. Seiner einzigen Bankverbindung, einer Volksbank, blieb er jedoch treu.

Sieben Leitlinie hat sich Wolfgang Grupp in der Zeit seiner Unternehmensleitung auferlegt:
1. Das Unternehmen muss so gestaltet sein, dass ich es stets voll überblicken kann.
2. Probleme müssen sofort gelöst werden.
3. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes muss an erster Stelle stehen.
4. Kein Umsatz ausschließlich aus Renditesicht.
5. Keine Diversifikation.
6. Keine Abhängigkeiten schaffen gegenüber Lieferanten, Kunden, Banken oder Mitarbeitern.
7. Die Kapazitäten müssen dem Markt angepasst sein.

Viele weitere Punkte führte Wolfgang Grupp aus. Zum Thema Mitarbeitermotivation, seinen Erfahrungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften und seiner Entscheidung, dass der Nachwuchs ausschließlich aus den eigenen Reihen kommt. Und immer wieder betonte er die Wichtigkeit von Entscheidungen. Es gäbe keine Fehlentscheidung, außer, sich nicht zu entscheiden.

Auch nach dem Vortrag ging Wolfgang Grupp mit Gästen und Kollegen ins Gespräch. Plauderte aus dem Nähkästchen, erzählte von seiner Werbung mit dem Affen und diskutierte mit den Unternehmern. So dass am Ende alle mit neuen Erkenntnissen und wertvollen Eindrücken das Pumpwerk wieder verlassen haben.


Vorstand